Reit-Zeit kids

Naturnaher und erlebnispädagogischer Umgang mit dem Pferd 

„Die Aufgabe der Umgebung ist nicht das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben sich zu offenbaren.“ (Maria Montessori)

Naturnahe Pädagogik (Naturpädagogik, Umwelterziehung, ökologisches Lernen) ist weniger als ein bestimmtes pädagogisches Konzept zu verstehen, sondern lässt sich dem Oberbegriff Umweltbildung zuordnen.

Das formulierte Ziel all dieser Ansätze ist die Vermittlung von Naturverständnis und ökologischem Handeln. Die naturnahe Pädagogik möchte eine emotionale Grundlage für einen respektvollen, verantwortungsbewussten Umgang mit natürlichen Lebensgrundlagen schaffen.

Naturnahe Pädagogik ist in den meisten Fällen auch ein Bestandteil der Erlebnispädagogik, denn Erleben und natürliche Umwelt sind eng miteinander verknüpft. Eine natürliche Umgebung bietet Erfahrungen für alle Sinne.

„Der Körper ist das Instrument auf dem die Partitur des Lebens gespielt wird.“ (Heinrich Jacoby)

Erlebnisorientierte Pädagogik hat in den letzten Jahren als Ergänzung zu traditionellen und konservativen Bildungs- und Erziehungsangeboten an Bedeutung gewonnen. Dies ist zum einen auf die sich verändernden Lebens- und Entwicklungsbedingungen einer  modernen Gesellschaft zurückzuführen als auch auf ein sich veränderndes Bildungssystem.

Die Erlebnispädagogik wird häufig als ein Gegenpol zu einer bewegungsarmen und naturfernen Erziehung sowie Bildungspolitik verstanden und soll Defizite an unmittelbaren, sinnlichen Erfahrungen im Alltag in einer besonderen Freizeitgestaltung auffangen.

Erlebnispädagogik kann jedoch mehr sein als ein Hilfsmittel für „austherapierte“ oder „therapieresistente“ Kinder und Jugendliche.

Erlebnisorientierte Pädagogik kann allen Kindern vielfältige Entwicklungsimpulse und ganzheitliche Erfahrungsmöglichkeiten bieten. Durch unmittelbares Erleben sollen kognitive, soziale und  emotionale Prozesse angeregt werden.

Die inklusive Pädagogik versucht alle Kinder unabhängig von ihrem Entwicklungsstand bezüglich ihres Alters gleichermaßen zu berücksichtigen. 

Die Strukturierung der naturnahen, erlebnisorientierten Projekte berücksichtigt deshalb die besonderen Bedürfnisse jedes Individuums und den momentanen Entwicklungsstand jedes einzelnen Kindes. Damit wird auch der Inklusionsgedanke verwirklicht.

Während der Arbeit mit dem Pferd können die zuvor genannten Ansätze zu einem  Ansatz vereint werden. Das Pferd vermittelt durch sich selbst und sein Lebensumfeld unmittelbar erlebbare Natur. Durch seine Größe, Körperform, Bewegungsart, seinen Geruch, sein Fell und Sozialverhalten regt das Pferd alle Sinne des Menschen an. Die Auseinandersetzung mit dem Pferd allein kann schon als Erlebnis betrachtet werden.

Als „gemeinsames Drittes“ kann das Pferd Sozialkontakte, Kooperation und Kommunikation zwischen den Teilnehmern eines Projektes anregen.

Das Pferd bringt jedem Teilnehmer einen natürlichen Vertrauensvorschuss entgegen und verhält sich somit unkonventionell und vorurteilsfrei.

Die Beziehung zwischen Teilnehmern und Pferd ist zu Beginn jedes Projektes unbelastet. Im weiteren Verlauf der Beziehung spiegelt das Pferd direkt (ohne Zeitverlust), ganzheitlich und unverfälscht das Verhalten und die Emotionen jedes Teilnehmers. Es wird zum Informanten für das eigene Befinden.